[Litera-TEXT Telegramm] Das Spiel der Nachtigall, Tanja Kinkel

Die Architexterin …

… über die Autorin:

»Tanja Kinkel bietet als Autorin historischer Romane schlicht und einfach die gelungenste Mischung aus Fakten und Fiktion. Gekonnt führt sie über die verschlungenen Pfade der Geschichte, die oft schon an sich so faszinierend sind, dass unnötiges Dramatisieren nur stören würde. Dennoch gelingt ihr das Kunststück, nicht nur Wissen zu vermitteln, sondern gleichzeitig über die vielen Seiten hinweg kein bisschen Langeweile aufkommen zu lassen. So gibt es stets fiktive Charaktere, die sich überzeugend in die Rahmenhandlung einfügen und ebenso authentisch wirken, wie das von ihr erdachte Innenleben historisch belegter Persönlichkeiten. […]«

… zum Inhalt:

»Hauptfiguren des Romans sind die fiktive jüdische Ärztin Judith und der Sänger Walther von der Vogelweide. […]«

»Beiden gemein ist, dass sie, stets auf der Suche nach neuen Gönnern oder auf der Flucht vor Benachteiligung, wenig wohlmeinenden Obrigkeiten und Intrigen, von Hof zu Hof und von Stadt zu Stadt ziehen. Dabei macht Judith vor allem ihre Religion zu schaffen, die sie möglichst zu verbergen versucht. Nebenbei wird also deutlich, wie sehr man als Jude schon gegen Ende des 12. Jahrhunderts mit Schwierigkeiten rechnen musste. […] Stetig kreuzen sich die Wege und zwischen den beiden streitbaren Geistern entwickelt sich eine komplizierte On/Off-Beziehung. «

 …zum Gesamteindruck:

»Immer wieder zeigt sich, dass auch kleine Leute mit Geschick und der vielzitierten ›Macht der Worte‹ Einfluss auf das Geschehen nehmen können – solange sie den Mut haben, sich Gehör zu verschaffen. […]«

»Einziger Wermutstropfen: Stilistisch hat sich schon etwas verändert über die Jahre. Ein bisschen weniger Sex & Crime hätte es auch getan. […] Dennoch: Mit ›Das Spiel der Nachtigall‹ gewinnt Tanja Kinkel viel von ihrer alten Stärke zurück.«


Das Spiel der Nachtigall * Tanja Kinkel * November 2012 * Droemer Knaur * Taschenbuch * 928 Seiten * 978-3-426-63632-9 * 12,99 EUR

Ausschnitte aus der Original-Rezension von 2012, zuerst veröffentlicht auf https://fabelhaftebuecherweltderalienor.blog/

[Litera-TEXT Telegramm] Alle meine Wünsche, Grégoire Delacourt

Die Architexterin …

… zum Inhalt:

»Jocelyne hat sich in ihrem Leben eingerichtet und große Träume bereits lange an den Nagel gehängt. […] Doch dann schlägt das Schicksal zu: Jocelyne gewinnt im Lotto. 18 Millionen Euro. Was nun? Bringt das große Geld endlich die großen Träume zurück?«

… zum Leseerlebnis:

»Man ist sofort mittendrin in Jocelynes (Gedanken)welt und kann hautnah ihre Zerrissenheit und ihre Ängste, aber auch die glücklichen Alltagsmomente erleben. Trotz der knappen Seitenzahl erhält man zusätzlich einen guten, klaren Eindruck von den restlichen Charakteren […] die Jocelyne mit all ihren kleinen Eigenheiten liebevoll schildert.«

»Die Botschaft, dass Reichtum nicht glücklich macht, ist natürlich nicht neu, wurde aber selten so eindringlich vermittelt. Gerne habe ich mich von der leicht melancholischen, doch immer wieder hoffnungsfrohen Grundstimmung einfangen lassen. […]«

»Kurz und knackig – französische Literatur at it’s best.«


Alle meine Wünsche * Grégoire Delacourt * September 2012 * Hoffmann und Campe * Hardcover * 128 Seiten * 978-3-455-40384-8 * 15,99 EUR

Ausschnitte aus der Original-Rezension von 2012, zuerst veröffentlicht auf https://fabelhaftebuecherweltderalienor.blog