La peste, Albert Camus


In vier Worten: DER Klassiker zur Krise

»… c’est à peine croyable. Mais il semble bien que ce soit la peste.«

Albert Camus versetzt uns in die beschauliche Stadt Oran an der algerischen Küste, irgendwann in den Vierzigern. Mitten im belanglosen und gleichförmigen Alltag der Bewohner bahnt sich eine tödliche Gefahr ihren Weg: Ratten kommen ans Tageslicht und sterben zu Tausenden, mitten auf Straßen und in Häusern. Als schließlich die ersten Menschen erkranken und mit Beulen übersät dem Tod entgegengehen, kann es auch der letzte nicht mehr leugnen: Die Pest geht um in Oran!


»La peste« war für mich Schullektüre am Gymnasium. Hätte ich damals geahnt, dass ich dieses Buch rund 20 Jahre später noch einmal mit ganz anderen Augen sehen würde? Wohl kaum.

Während meines Re-Reads beschlich mich immer wieder das Gefühl, der Autor müsse den Ausbruch einer Pandemie live miterlebt haben, so gut passen seine Beschreibungen der einzelnen Phasen und der damit verbundenen Gemütszustände der Menschen zur gerade tatsächlich erlebbaren Krise. Unzählige Parallelen tauchten auf und jagten mir Schauer über den Rücken.

Tatsächlich hat Camus keine Pandemie hautnah miterlebt, jedoch finden viele Erlebnisse des Schriftstellers ihren Niederschlag im Werk. Genannt werden in diesem Zusammenhang immer wieder das Erfahrung von Belagerung und Résistance, die kriegsbedingte räumliche Trennung von seiner Frau und eine Tuberkulose-Krankheit, die ihn sein Leben lang begleitete. Oran ist im Übrigen der Heimatort seiner Frau, an dem er phasenweise auch selbst zu Hause war.

Wie im Jahr 2020 beginnt auch hier die Krankheit im Frühjahr, und die schöne Kulisse draußen gibt den Leuten das Gefühl, die Gefahr könne gar nicht real sein. Leugnen und Herunterspielen des Unfassbaren gehören zu den ersten Reaktionen, bis das irgendwann nicht mehr möglich ist.

» – Qu’est-ce que c‘est que cette histoire de rats? – Je ne sais pas. C’est bizarre, mais cela passera.« (S. 17)

» – Was ist das da für eine Geschichte mit den Ratten? – Ich weiß nicht. Merkwürdige Sache, aber das geht sicherlich vorüber.« *

Vorbereitet ist niemand auf das Drama. Obwohl jedem klar sein muss, dass Epidemien in regelmäßigen Abständen auftreten können und es nur eine Frage der Zeit ist, bis man selbst betroffen sein wird.

»Les fléaux, en effet, sont une chose commune, mais on croit difficilement aux fléaux lorsqu’ils vous tombent sur la tête. Il y a eu dans le monde autant de pestes que de guerres. Et pourtant pestes et guerres trouvent les gens toujours aussi dépourvus.« (S. 41)

»Seuchen sind in der Tat nichts Ungewöhnliches, aber man mag kaum daran glauben, wenn sie plötzlich vor der Tür stehen. Auf der Welt gab es genauso viel Pest wie Kriege. Und dennoch werden die Leute stets davon überrumpelt.« *

Es wird beschrieben, wie schwer es den Menschen fällt, die neue Realität zu akzeptieren und damit auch zu akzeptieren, dass ihnen, und zwar ihnen allen, damit auf unabsehbare Zeit ein großer Teil ihrer Freiheiten genommen ist. Viele ziehen sich zurück und klammern sich an ihre gewohnten Alltagsrituale, so gut das noch möglich ist.

»…ils pensaient que tout était encore possible pour eux […] Comment auraient ils pensé à la peste qui supprime l’avenir, les déplacements et les discussions ? Ils se croyaient libres et personne ne sera jamais libre tant qu’il y aura des fléaux.« (S. 42)

»…sie glaubten, dass für sie noch alle Möglichkeiten offen stünden […] Wie hätten sie an eine Pest denken können, die ihre Zukunft, ihre Beweglichkeit und die Debatten gleichermaßen einschränkt? Sie dachten, sie seien frei, doch niemand wird jemals frei sein, solange es Seuchen gibt.« *

»…nos concitoyens avaient apparemment du mal à comprendre ce qui leur arrivait […] on continuait aussi de mettre au premier plan les préoccupations personnelles. Personne n’avait encore accepté réellement la maladie.« (S. 76)

»…unseren Mitbürgern fiel es offenbar schwer zu verstehen, was da passierte […] man kümmerte sich weiterhin vorrangig um seine persönlichen Belange. Niemand hatte die Krankheit bislang tatsächlich als solche akzeptiert.« *

Die Autoritäten kommen zunächst auch nicht gut mit der Situation klar, verharmlosen und verstricken sich lieber in kleinkarierten Diskussionen, als den Bewohnern den Ernst der Lage begreiflich zu machen.

»Il était difficile de tirer de cette affiche la preuve que les autorités regardaient la situation en face. […] l’on semblait avoir beaucoup sacrifié au désir de ne pas inquiéter l’opinion publique.« (S. 54)

»Es fiel schwer, aus diesem Plakat den Beweis herauszulesen, dass die Obrigkeit sich der Krise stellte. […] man schien vieles dem Wunsch geopfert zu haben, die Öffentlichkeit nicht zu beunruhigen.« *

Resultat ist, dass viele sich nur über die Einschränkungen ärgern und sich nicht betroffen fühlen, solange sie die Toten nicht direkt vor Augen haben. Doch die Lage verschlimmert sich zunehmend und die Stadt wird von der Außenwelt abgeriegelt. Die Zahl der Toten steigt, die Versorgungslage wird schwieriger, Krankenhäuser sind überfüllt…

Jeder geht sehr unterschiedlich mit der Bedrohung um. Manche versuchen, einfach nur ihre Haut zu retten und aus der Stadt zu fliehen, andere profitieren sogar vom Ausnahmezustand und weitere stemmen sich gegen das Unabwendbare und organisieren zivile Hilfstrupps oder stehen als Ärzte an vorderster Front gegen eine Krankheit, die fast zwangsläufig mit dem Tod endet. Sie setzen der Todesgefahr, der auch sie selbst oft nicht entrinnen können, Hoffnung und Solidarität entgegen. Sie müssen ihre weitestgehende Machtlosigkeit erkennen, entscheiden sich jedoch für das Gebot der Menschlichkeit, indem sie trotzdem nicht aufgeben.

Der Kampf gegen die Pest wird in zahlreichen Metaphern in einen kriegerischen Zusammenhang gerückt. Das erinnerte mich sofort an die Rede des französischen Präsidenten Macron: »Nous sommes en guerre!«

Geht es nach den religiösen Autoritäten, lohnt der Kampf gegen die Krankheit nicht, denn sie ist verdiente Strafe Gottes für die Sünder und muss duldend ertragen werden.

»Mes frères, vous êtes dans le malheur, mes frères, vous l’avez mérité.« (S. 91)

»Meine Brüder, das Unglück ist über euch gekommen, meine Brüder, ihr habt es verdient.« *

Die Predigt des fanatischen Père Paneloux ist die wohl radikalste Antwort auf die Krise. Doch auch heutzutage gibt es Stimmen, die ähnliches verkünden. So befand sich vor wenigen Wochen dieses Pamphlet in unserem Briefkasten (Ausschnitt):

Neben der Angst vor der Krankheit ist die große Ungewissheit das Schlimmste an der Krise. Wie lange wird all das andauern und wann kehrt die Normalität zurück? Ein seltsamer Schwebezustand, den Camus ganz wunderbar beschreibt.

»Ils s’astreignaient par conséquent à ne penser jamais au terme de leur délivrance, à ne plus se tourner vers l’avenir et à toujours garder, pour ainsi dire, les yeux baissés […] ils flottaient plutôt qu’ils ne vivaient, abandonnés à des jours sans direction et à des souvenirs stériles, ombres errantes qui n’auraient pu prendre force qu’en acceptant de s’enraciner dans la terre de leur douleur.« (S. 72)

»Sie zwangen sich daher, niemals über den Endzeitpunkt der Krise nachzudenken, nicht mehr in die Zukunft zu schauen und gewissermaßen stets den Blick gesenkt zu halten […] sie schwebten viel mehr als dass sie lebten, zurückgeworfen auf Tage ohne Ziel und sterile Erinnerungen; herumirrende Schatten, die nur Kraft hätten schöpfen können, indem sie akzeptierten, im Land ihres Schmerzes Wurzeln zu schlagen.« *


* Eigene Übersetzung


Fazit: Gottseidank ist Corona nicht so tödlich wie die Pest! Sonst hätte ich nach dieser Lektüre wirklich nicht mehr schlafen können. Aber die Parallelen sind unbestreitbar und man erkennt vieles wieder in diesem klugen Buch, das zwar keinen allzu großen Optimismus versprüht, jedoch die kleine Flamme der Hoffnung hochhält und den erbitterten Widerstand der Menschen porträtiert.

Rund ums Buch:

»La peste« wurde 1947 veröffentlicht und gilt als eines der wichtigsten französischen Werke der Nachkriegsliteratur. Albert Camus schrieb fünf Jahre lang daran, unter anderem während seiner Zeit in der französischen Résistance.

Albert Camus * La peste * Editions Gallimard * 2-07-036042-3 * 1947 * 288 Seiten * TB

Kinder beschäftigen im Corona-Lockdown – 8 Tipps zur Halbzeit

Heute mal ganz was anderes im Architexterinnen-Blog…

Schwer haben es momentan sicher viele. Auch die Kleinsten vermissen nach über zwei Wochen die Zeit mit ihren Freunden oder der restlichen Familie. Kein Kinderturnen, kein Spielplatz, kein Schwimmbadbesuch…und daheim gehen langsam die Spielideen aus während Mama und Papa weiterhin mit Krisenstimmung, Haushalt und Job jonglieren müssen. Fernsehen oder Tablet sind als Notnagel sehr verlockend und in Zeiten wie diesen sicherlich legitim. Doch die Trickkiste ist noch längst nicht ausgeräumt. Hier ein paar Anregungen fürs Kindergartenalter, mit denen man sich vielleicht wohler fühlt.

1. Kinder brauchen Geschichten

Der Satz ist wahr, und das sage ich nicht nur als Buchhändlerin. Der lokale Handel steht momentan vielerorts auf Messers Schneide, also bestellt möglichst nicht beim großen A, sondern schaut nach dem Online-Shop des (Buch)Händlers um die Ecke. Hörspiele und Bücher, aber auch Mal- und Rätselbücher oder Spiele werden euch dort ebenfalls frei Haus geliefert, oft versandkostenfrei, und viele Buchhändler stehen auch noch telefonisch für eine Beratung in ihren Läden parat. Ein persönlicher Tipp: »Die Streithörnchen« aus dem Magellan Verlag. Macht wirklich gute Laune und begeistert ganz nebenbei fürs Teilen.

Die Streithörnchen

Wer kreativ ist und kein Geld ausgeben möchte, der erfindet auch einfach mal eine Geschichte. Momentan darf ich täglich aus dem Leben der fiktiven besten Freunde »Dachs« und »Igel« berichten, die gerade aus dem Winterschlaf erwacht sind und den Frühling genießen…

2. Kinder helfen gerne

Auch die Kleinsten fühlen sich in solchen Zeiten gerne nützlich und sind froh und stolz, wenn sie helfen können. Selbst wenn das nicht immer für alle Tätigkeiten gilt. 😉 Doch jetzt ist DER Moment, um zu entdecken, was die Kleinen eigentlich schon alles gewuppt kriegen. So manch einer dürfte überrascht sein. Also: Bindet die Kinder bei der Hausarbeit mit ein, verteilt kleinere Aufgaben und nehmt euch Zeit zu zeigen, wie die Dinge funktionieren. Und wenn das Fenster nicht richtig sauber wird – macht nix! Nächste Woche ist auch noch Zeit und zu Besuch kommt eh gerade niemand…😉

3. Mal wieder Neues lernen

Wenig Autos auf den Straßen – gibt es einen besseren Zeitpunkt, um mit den Kleinen richtig Fahrrad fahren zu lernen? Gott sei Dank ist Frühling und man darf noch hinaus. Aber auch Kleinigkeiten können fesseln: Wie wäre es mit Schleife binden lernen?

Mein Tipp: Aus einer stabilen Pappe einen schmalen Streifen schneiden, links und rechts auf möglichst gleicher Höhe mit dem Locher eine Lochleiste stanzen. Fertig ist die Übungsleiste! Kann bei Bedarf natürlich noch bunt angemalt werden. Man nehme einen (alten) langen Schnürsenkel. Mit etwas Glück kann das dazu führen, dass sich jemand stundenlang (alleine!) damit beschäftigt, verschiedene Muster mit dem Schnürsenkel einzuziehen. Und natürlich kann man dabei prima Knoten und Schleife binden lernen.

Schleife binden lernen

4. Basteln – nicht nur für Ostern

Klar, Ostern bietet den perfekten Aufhänger für jegliche Bastelaktion. Und man braucht nicht viel: Schere, Kleber, vielleicht etwas Wolle und, unsere Allzweckwaffe, buntes Tonpapier. Daraus werden ganz einfache Sachen fürs Fenster, die Farbe in die Bude bringen: Ostereier, Schmetterlinge, Blumen…

Bei all dem gehorteten Klopapier gibt‘s sicherlich auch viele leere Rollen daheim… Googelt man nach »Basteln mit Klopapierrollen«, gibt es unzählig viele tolle und einfache Ideen. Besonders Tiere kann man damit leicht fabrizieren. Hier einmal der schon etwas ramponierte Osterhase vom letzten Jahr. Dazu noch ein Pinguin, den wir frei nach Schnauze gemacht haben.

Basteln mit Klopapierrollen

Was ich unbedingt noch ausprobieren wollte: Das selbstgebastelte Trinkhalmspiel von GEOlino: Was zum Basteln und dann noch zum Spielen klingt ganz besonders raffiniert.

5. Auch Väter stecken voller Ideen…

Kennt ihr die Tiere, die man im Herbst mithilfe von Zahnstochern aus Kastanien, Eicheln und co. zusammenbastelt? Bestimmt. Das kann man doch auch mit Knete machen, dachte sich hier jemand. Unten seht ihr die Ergebnisse in einheitlichem Glitzer-Blau.

Knettiere

Riesige Freude kam auf bei den selbst gebastelten Elfenflügeln. Eine große Pappe, Stift, Schere und etwas Schnur für die Halterung, mehr braucht man nicht dafür. Verziert werden darf bei Gelegenheit natürlich auch…

Elfenflügel selbst gemacht

6. Bewegung für drinnen und draußen

Nicht auf den Spielplatz gehen zu können ist doof! Doch auch im Wald bietet sich die Möglichkeit, auf Baumstämmen herumzuklettern oder über Steine zu hüpfen. Wer keinen Wald um die Ecke hat und nicht komplett einrosten möchte, dem kann ich »ALBAs tägliche Sportstunde« empfehlen. Die gibt’s für Kitakinder ab 9 Uhr von Montag bis Freitag auf dem YouTube-Kanal des Basketballvereins ALBA BERLIN. Eine knappe halbe Stunde wird hier mit ganz viel Fantasie und Spaß gesportelt. Eine echte Empfehlung, die als tägliches Ritual Halt bieten kann.

7. Vorführung gefällig?

Kinder zeigen uns gerne, was sie können. Warum also nicht einfach mal einen Zirkus organisieren lassen? Das Kind »baut« eine Arena zusammen, bastelt Eintrittskarten oder schnipselt Konfetti. Die Kuscheltiere können dann Kunststücke einstudieren, auf dem Hochseil tanzen oder alles tun, was ihnen sonst noch so einfällt. Natürlich dürfen die Organisatoren nicht nur Zirkusdirektor(in) spielen, sondern auch selbst als Artisten auftreten…

8. Aus der Zeit was Schönes machen

Das ist sicherlich leichter gesagt als getan. Doch an dieser Stelle ist das tatsächlich wörtlich gemeint. Nach der x-ten Nachfrage, ob denn heute wieder Kita ist, haben wir gemeinsam einen Kalender für die Lockdown-Zeit angefertigt. Seitdem erübrigt sich die Frage, und es hilft offensichtlich, das Thema »Zeit« besser zu erfassen. Zusätzlich wird immer für den vergangenen Tag ein kleines Bild gemalt, das etwas mit dem zu tun hat, was wir gemacht oder erlebt haben. Taugt später also sogar noch als Erinnerungsstück.

Kalender für Kinder

Ein Tipp zum Schluss: Wenn‘s dann doch der Fernseher wird…

Netflix hat momentan die Serie »Es war einmal…das Leben« im Angebot. Ein echtes Kinderserienurgestein, das sich mit dem menschlichen Körper befasst. Wer den lieben Kleinen nun etwas zum Thema Viren und Bakterien vermitteln möchte, der schafft das hiermit garantiert auf die unterhaltsame Art.

Ich hoffe, für Euch war auch etwas Neues dabei! Da wir noch mindestens zwei Wochen vor uns haben, freue ich mich natürlich jederzeit über weitere Ideen von Eurer Seite! Einfach die Kommentarfunktion nutzen.

Lieber den Spatz in der Hand…

…als den Dachs auf dem Dach.

Ziemlich verwirrt war ich angesichts dieser Aufschrift, und die Korrektorin in mir stand kurz davor zu glauben, da hätte sich jemand aber einen ordentlichen Fauxpas geleistet. Bis ich nachrecherchierte und feststellte: Der „Dachs“ ist Markenname eines kleinen Heizkraftwerks für Wohnhäuser und Gewerbeimmobilien…Wieder was gelernt.

Ein Jahr Architexterin oder: Man wächst mit seinen Aufgaben

Jahreswechsel sind immer eine gute Gelegenheit, um innezuhalten, das Erreichte und Erlebte Revue passieren zu lassen, Schlüsse zu ziehen und mit frischen Ideen und Zielen ins neue Jahr zu starten.

In diesem Jahr galt das für mich nicht nur im Privaten sondern auch im Beruflichen: Ende Januar feiert die Architexterin einjähriges Bestehen.

Und was war das für ein herausforderndes Jahr!


Viel gelernt habe ich dabei, ungeahnt viel. Als angehende Selbstständige sieht man sich mit einem Berg von Vorschriften, Anträgen, Gesetzen etc. konfrontiert. Was muss alles beachtet werden? Was braucht man? Was darf man und was nicht? Finanzamt, Steuern, Versicherungen, eigene Buchhaltung…

Der Aufbau und Unterhalt der Webseite erschafft einen ganz eigenen Kosmos an Arbeit und Vorschriften, der nicht zu unterschätzen ist (Stichwort DSGVO…). Marketing ist natürlich entscheidend, Logo, Geschäftspapier, Visitenkarten, Werbemittel, Fotos und Bilder, die eigene Zielausrichtung finden, wie kann man potentielle Kunden ansprechen…

Selbstständigkeit
Quelle: Pixabay/geralt

Neben all diesen Dingen, die für mich in weiten Teilen Neuland bedeuteten, war mir auch die Weiterbildung wichtig. So nahm ich an einem Kurs der VHS Karlsruhe teil, der mich fit gemacht hat im Umgang mit dem Layoutprogramm InDesign. Für die Erstellung und Bearbeitung von Geschäftsunterlagen kann ich dieses Programm nur wärmstens empfehlen!

Zum Thema SEO habe ich eine Fortbildung der Netzstrategen in Karlsruhe besucht, die wertvolle Erkenntnisse geliefert hat.

Ein Highlight in jeglicher Hinsicht war ohne Frage mein Ausflug zur Buchmesse in Frankfurt.

Mit den ersten Anfragen kamen dann gleich die nächsten Herausforderungen: Preise kalkulieren, Zeit und Aufwand abschätzen, Urheberrechtsfragen… Wie schreibe ich ein Angebot? Was gehört in eine Rechnung? Nur zwei von bestimmt hundert Fragen, die beantwortet werden wollten.

Zum Glück gibt es Menschen, die einem weiterhelfen und einen aufbauen, wenn man zwischendurch rat- und mutlos wird. Sehr dankbar bin ich meinem Mann und diversen Freunden, die Tipps und Ratschläge en masse parat hatten und mich in vielerlei Hinsicht im ersten Jahr unterstützten.

Selbstständigkeit
Quelle: Pixabay/wokandapix

Ein ganz besonderer Dank geht an Petra Jörger, die nicht nur für mein Logo und meine Visitenkarten verantwortlich ist, sondern sich auch immer wieder Zeit für zahllose hilfreiche Hinweise an den »Noob« genommen hat. Auch für erste Aufträge hat sie mich mit ins Boot geholt und dabei die Dinge so unkompliziert wie möglich gestaltet.

Ein herzliches Dankeschön für dein großes Vertrauen und auf eine gute weitere Zusammenarbeit im neuen Jahr!

Neben kleineren Korrekturarbeiten standen in diesem Jahr zwei größere Webseiten-Textprojekte im Zentrum, die ich zu gegebener Zeit unter der neu zu schaffenden Rubrik »Referenzen« kurz vorstellen möchte.


Damit bin ich auch schon beim Ausblick angelangt. Das zweite Jahr wird nicht minder herausfordernd, da bin ich mir absolut sicher. Viele wichtige Grundsteine sind gelegt und es kann mit Vollgas weitergehen. Mein Fokus wird insbesondere auf der Gestaltung von Webtexten liegen, doch auch den Bereich Übersetzung möchte ich vorantreiben und mich in Wirtschaftsfranzösisch weitergehend qualifizieren.

Es gibt also wie immer viel zu tun…

Ich wünsche allen Lesern, Kunden und Geschäftspartnern ein erfolgreiches und vielversprechendes Jahr 2020!

Das Ting, Artur Dziuk


In drei Worten: Kalte neue Start-up-Welt

Das Ting, Artur Dziuk

Linus, ein unauffälliger und beruflich erfolgloser Medizintechniker, entwickelt eine App, die den Alltag einer ganzen Gesellschaft nachhaltig verändern könnte: Das Ting. Die Anwendung sammelt unter anderem körperliche Daten und leitet daraus Handlungsempfehlungen für den Benutzer ab. Sein betrügerischer alter Freund Adam überzeugt ihn, das Ting in einem Start-up weiterzuentwickeln um es ganz groß rauszubringen. Mit dabei sind die geniale, aber menschenscheue Hackerin Niu und der um sein Erbe als Firmennachfolger geprellte Unternehmersohn Kasper. Alle vier sind mit Feuereifer dabei und die Fortschritte können sich sehen lassen. Dann fordert Adam zu Testzwecken den größtmöglichen persönlichen Einsatz: Sie alle sollen den Empfehlungen der App in ihrem Alltagsleben folgen – ohne jede Einschränkung…


Die zugrundeliegende Idee von »Das Ting« hatte mich sofort angesprochen. Am Ende blieb ich zwiegespalten zurück. Dziuk macht ein großes Fass auf in das er den Leser selbst hineingreifen lässt, um ihn dann allein vor den hochbrisanten Inhalten sitzen zu lassen. Als Leserin bin ich mit der Erwartung an dieses Fass herangetreten, dass die Dinge außer Kontrolle geraten und die böse böse Maschine (bzw. App) am Ende den Menschen regiert. Doch ganz so einfach macht es einem Dziuk nicht. Nach dem Lesen bleiben viele Fragen und Unsicherheiten. Wo hatte das Ting seine Finger im Spiel? Wo nicht? Natürlich regt das zum Nachdenken an, hat mich jedoch auch ein wenig unbefriedigt zurückgelassen.

Besonders mit den Charakteren musste ich hadern. Richtig sympathisch ist mir niemand geworden, was an sich noch kein Problem darstellt. Seltsam fand ich es jedoch, wie naiv die eigentlich intelligenten Teammitglieder gegenüber der Datenkrake sind und wie sie hier freiwillig die Kontrolle abgeben. Eine Weiterentwicklung implementiert die Empfehlungen des Ting direkt im Gehirn der Nutzer und sorgt dafür, dass es teilweise unmöglich wird zu unterscheiden was eigener Gedanke und was Empfehlung des Ting ist… Diese Art von Blauäugigkeit erschien mir etwas zu dick aufgetragen.

Auch stellt sich, bis auf Kasper, keiner der Protagonisten kritische Fragen zur eigenen Erfindung: Ist es eigentlich erstrebenswert, seine Selbstbestimmtheit an einen Algorithmus abzutreten? Sollten Entscheidungen wirklich nur aufgrund rationaler Datenerhebung getroffen werden oder ist das Bauchgefühl nicht doch wichtiger, als wir denken? Wie können wir auf einen Algorithmus vertrauen, der letzten Endes von irrationalen Menschen entwickelt und beeinflusst wird und wurde? Und welche weitreichenden Konsequenzen zieht das alles nach sich für die Art und Weise wie wir leben und miteinander umgehen? (Selbstoptimierungswahn, Verlernen des eigenständigen Denkens und Fühlens…) Mit diesen Fragen wird der Leser weitestgehend alleingelassen. Die Protagonisten reflektieren kaum. Sie alle erscheinen mehr oder minder getrieben von persönlichem Ehrgeiz, streben nach Geld, Ruhm, Anerkennung oder Selbstverwirklichung. Sie glauben an das Ting, ignorieren Warnungen und blenden Zweifel aus. Nicht nur einmal wirken sie wie Anhänger einer Sekte. Als Arbeitsplatz beziehen sie sogar eine ehemalige Kirche.

»Linus sagt sich, dass es niemals so weit kommen wird. Er wird sein Tool immer weiter optimieren, bis es nicht nur sein eigenes, sondern auch das Leben vieler anderer Menschen verbessert. Wenn er alles gibt, sich aufopfert, dann wird der Erfolg kommen.« (S. 180)

Die Kritik von Dziuk blitzt also in weiten Teilen eher subtil zwischen den Zeilen hervor. Meistens legt er sie dem eher skeptisch eingestellten Kasper in den Mund, der jedoch niemals ernsthaft in das Geschehen eingreift.

»›Weißt du, auch wenn ich mir einen gelegentlichen Kommentar nicht verkneifen kann, eigentlich beobachte ich die Situation mit Gleichmut […]‹« (S. 226)

Immerhin nimmt das blinde Vertrauen in die eigene Technologie für einen der Protagonisten ein höchst symbolträchtiges Ende. Aktuell ist die Thematik in jedem Fall: Dass wir die Kontrolle über uns, unseren Alltag und unsere Daten in zweifelhafte Hände legen und uns das Denken immer mehr abgenommen wird, das ist ja bereits Teil unserer Realität.

Das zweite große Thema des Romans wird in meinen Augen gelungener angepackt: Viele der Figuren scheitern an den Vorstellungen und überzogenen Anforderungen der modernen Unternehmenswelt, die uns den stets glücklich in seiner Tätigkeit aufgehenden Mitarbeiter als Idealvorstellung präsentiert. In Wahrheit verbergen sich hinter diesem gerne propagierten Bild Ausbeutung und soziale Kälte. Exemplarisch hierfür steht in »Das Ting« zum einen das Großunternehmen »Strindberg Consulting« von Kaspers Vater Gustaf. Doch auch das eigens gegründete Ting-Start-up als vermeintlicher Gegenentwurf steht dem Großkonzern in Sachen Ausbeutung (hier eher in Form der Selbstausbeutung) und schöner Schein in nichts nach. Auch wenn die Schilderungen an mancher Stelle ziemlich überzogen wirken, so trifft Dziuk hier genau den Nerv der Zeit – und einen wunden Punkt.

»Sonja ist die Erste gewesen und hat mittlerweile die Stelle als seine Assistentin inne. Adam hat sie mehrmals nachts um zwei angerufen, um eine anstehende Social-Media-Kampagne zu besprechen. Es entwickelte sich nicht nur ein konstruktives Gespräch, sie bot sogar an, sich sofort mit ihm im Büro zu treffen.« (S. 227)


Fazit: Vieles steckt drin, doch einiges wird nur angedeutet. Das Thema »Künstliche Intelligenz« wirft eine ganze Reihe großer Fragen auf, die der Leser weitestgehend selbst stellen und reflektieren muss. Ein faszinierendes Gedankenexperiment, das ruhig einen Schritt weiter hätte gehen können.

Rund ums Buch:

»Das Ting« ist Artur Dziuks erster Roman. Erschienen ist er im jungen DTV-Imprint »bold« (»mutig«, »kühn«). Seit dem Frühjahr 2019 verlegt DTV hier Literatur, die sich insbesondere an die Generation der Digital Natives richten soll.

Artur Dziuk * Das Ting * bold * 978-3-423-23006-3 * September 2019 * 464 Seiten * Hardcover * 18,00 Euro

Let it flow…Flaniermeile Frankfurter Buchmesse

Eigentlich erinnert mich vieles auf der Frankfurter Buchmesse an den ansässigen Flughafen: Unglaublich weitläufig, viel Potential, sich zu verirren und Menschenmengen überall…Und doch übt die Melange aus Bookaholics, Bücherwelten und Buchschaffenden stets aufs Neue ihren unwiderstehlichen Reiz auf mich aus. Dieses Jahr ließ es sich endlich wieder einrichten: Bewaffnet mit Flyern, Visitenkarten und einem ausreichend großen Stoffbeutel mischte ich mich ins Getümmel.

Frankfurter Buchmesse Halle 3

Auf dem Plan: Eine Reihe beruflich interessanter Verlage ansteuern, bei denen ich unbedingt einmal anklopfen wollte, 2-3 alte Bekanntschaften pflegen und ein paar fancy Impressionen für die Social Media-Kanäle unserer Buchhandlung einfangen. Darüber hinaus hatte ich mir dieses Jahr mal nichts vorgenommen. Und was soll ich sagen: Das waren – von den obligatorischen schmerzenden Füßen einmal abgesehen – die bei weitem stressbefreitesten und trotzdem lohnendsten zwei Tage Messe, die ich als Besucher je erleben durfte. Mit Eindrücken, die lange bleiben werden, und jeder Menge vielversprechender Begegnungen.


Was bin ich das letzte Mal durch die Hallen gehetzt, hatte mir Veranstaltungen rausgesucht, die ich unbedingt besuchen wollte, viel zu viele Termine vereinbart, für die ich von einem Ende der Messe zum anderen rennen musste. Bei den großen Lesungen traf ich entweder eine Stunde im Voraus ein oder musste mich im hinteren Drittel halb tottreten lassen, ohne viel von der Show mitzubekommen. Die großartigen Stände zogen an mir vorbei, ohne dass ich sie richtig wahrnehmen konnte, denn ich war ja immer irgendwie bereits wieder auf dem Weg irgendwohin. Gleichzeitig wohnte da dieser Anspruch im Kopf, jede Halle zu besuchen und möglichst jeden Stand einmal gesehen zu haben.

Wie froh ich bin, es dieses Jahr anders angegangen zu sein…


Klasse statt Masse, spontan statt Plan. Man sieht (und hört) so viel mehr, wenn man sich zwischendurch entspannt durch die Gänge treiben lässt, großartige Präsentationen mal ausgiebiger betrachtet, Verlage entdeckt, die man noch gar nicht kannte, sich Zeit nimmt für die Gesichter hinter den Kulissen, fürs Stöbern, für spontane Gespräche, fürs Zuhören. Ein überraschender Optimismus war da vielerorts spürbar in der eigentlich gebeutelten und immer wieder totgesagten Branche. Eine der positivsten Erfahrungen dieser Messe.

Selbst die Promidichte fiel beim aufmerksamen Flanieren höher aus als beim mühsamen Lesungshopping: Kurt Beck spazierte an mir vorbei, Saša Stanišić, der aktuelle Buchpreisträger, schaute sich ebenfalls um, Sascha Lobo und Sebastian Fitzek stellten ihre Bücher vor. Mehr durch Zufall machte ich schließlich am späten Nachmittag ein Päuschen auf einer Bank hinter den Kulissen des Blauen Sofas, wo die Protagonisten des Literarischen Quartetts, Thea Dorn, Volker Weidermann und Christine Westermann, beständig ab- und auftauchten. Manchmal ist man eben zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Den norwegischen Gastpavillon habe ich niemals zu Gesicht bekommen. Machte nix – es gab genügend anderes: Moderne Bücher, antike Bücher, internationale Bücher, verrückte Bücher, Non-Bücher (sic!), Büchermöbel, Buchnerd-Fanservice…


Bücher und Büchermenschen – das bleibt Herz und Seele dieser Messe. Frankfurt, es war großartig! Ich freue mich schon auf das nächste Mal!

Neun Fremde, Liane Moriarty


In vier Worten: Herrlich überzeichnet - abgrundtief böse

Neun Fremde, Liane Moriarty

Karriereknick, Eheprobleme, Übergewicht…die Gründe, die neun einander völlig Fremde zu einem zehntägigen »Cleansing« im abgelegenen Wellness-Resort mit dem klingenden Namen »Tranquillum House« zusammenführen, sind so unterschiedlich wie die Charaktere selbst. Die meisten erhoffen sich eine im besten Falle erhellende Verschnaufpause von ihren kleinen und großen Sorgen. Doch schnell stellt sich heraus, dass sie sich hier nicht auf einem harmlosen Wellnesstrip befinden und die markigen Sprüche vom »neuen Ich« und dem »revolutionären therapeutischen Ansatz« keine leeren Werbebotschaften bleiben sollen. Denn Resortleiterin Masha, eine ehemalige Karrierefrau, brennt voll und ganz für ihre Mission. Und sie macht keine halben Sachen…


Gesunde Lebensweise ist eine DER Religionen unserer modernen Zeit. Genau dieses Thema nimmt Liane Moriarty hier gnadenlos auseinander, mit abgründigem, teilweise fast schwarzem Humor und aus stetig wechselnder Perspektive aller neun Gäste und ihrer drei Betreuer. So harmlos alles anfängt, so gut gelingt es der Autorin von Anfang an beim Leser für ein unbehagliches Gefühl in der Nackengegend zu sorgen und böse Vorahnungen auf das Kommende zu erwecken.

»›Niemand reist früher ab‹, antwortete Yao seelenruhig. ›Nun ja, aber man darf. Wenn man möchte.‹ ›Niemand reist früher ab‹, wiederholte Yao. ›Das kommt einfach nicht vor. Niemand möchte überhaupt wieder nach Hause! Sie sind auf dem Weg zu einer wahrhaft transformativen Erfahrung, Frances.‹« (S. 65)

Zwischendurch verzettelt sich Moriarty ein wenig und nicht alle Charaktere kommen in ausgewogenem Verhältnis zu Wort (z.B. Lars). Die Charaktere, die viel Raum erhalten, muss man jedoch einfach ins Herz schließen, allen voran die Schriftstellerin Frances Welty. Sie hinterfragt das ganze Wellness-Gefasel mit einer imaginären spitzen Feder und einer Menge Sarkasmus im Blut. Dabei schwebt sie ein wenig über den Dingen und wirkt damit ein Stück weit wie das Alter Ego der Autorin, das allerdings im Verlauf der Handlung ebenfalls in den Strudel der Ereignisse hineingezogen wird.

»Zu sechst stiegen sie in achtsamer, die Füße vom Ballen zur Fußspitze abrollender Slow Motion die Titanic-Treppe hinunter, und Frances versuchte, nicht daran zu denken, wie absurd das alles war. Wenn sie jetzt lachte, würde sie einen Lachkrampf bekommen. Sie fühlte sich bereits ein wenig schwummerig vor Hunger. Es war Stunden her, dass sie die KitKat-Verpackung abgeleckt hatte.« (S. 128)

Neben dem immer kurioseren Verlauf des Cleansings, das langsam aber sicher in eine Katastrophe abdriftet, sorgen die schrittweise enthüllten Lebensgeschichten und Geheimnisse der Gäste für das nötige Salz in der (Gemüse)Suppe. So mancher Charakter sorgt noch für Überraschungen und nicht alle sind empfänglich für Mashas Methoden. Der Twist am Ende war für mich nicht vorhersehbar und ist szenisch hervorragend umgesetzt. Großartig, der Moment, in dem Masha ihre ganz eigene »Transformation« durchlebt…


Fazit: So herrlich böse! Pointierte Abrechnung mit der Wellness-Industrie und Achtsamkeits-Bewegung, die hier alles andere als entspannt auftritt. Masha als fanatische Wölfin im Bademantel gegen den Rest der Welt.


Rund ums Buch:

Autorin Liane Moriarty verdankt ihren größten Erfolg der Verfilmung ihres Werks »Big little lies« als HBO-Serie. Auch die Filmrechte an »Neun Fremde« wurden bereits von einer prominenten Produzentin erworben: Nicole Kidman. Man darf also gespannt sein, wie die Geschichte auf der großen Leinwand zur Geltung kommen wird, zumal Kidman offenbar selbst in die Rolle von Resortleiterin Masha schlüpfen wird…

Liane Moriarty * Neun Fremde * Diana Verlag * 978-3-453-29234-5 * August 2019 * 528 Seiten * Hardcover * 20,00 Euro

SEO-Texte oder: Wie du Google für deine Worte erwärmst…

8:45 Uhr an einem schönen Sommermorgen, die Sonne brennt kräftig auf das Dachgeschoss im ansprechend renovierten Alten Schlachthof Nr. 47. Die Laptops sind aufgestellt und die Luft ist bereits jetzt erfüllt vom eifrigen Tastengeklapper der Schulungsteilnehmer. Auch ich gebe schonmal das einprägsame Passwort für das Gäste-WLAN ein und reserviere mir einen der leckeren Orangensäfte. Denn das Versprechen auf eine anständige Backofenatmosphäre liegt wortwörtlich in der Luft. Gleich soll er beginnen, der Workshop zum Thema Suchmaschinenoptimierung (SEO), organisiert von den Netzstrategen und der City Initiative Karlsruhe…

Jetzt aber schleunigst eine Zwischenüberschrift (NICHT die H1!), mit Keyword! (SEO-Texte, SEO-Texte…)

So viel kann man sagen: Nach dem Schulungstag habe ich Webseitentexte mit anderen Augen gesehen. Und es war eine äußerst lohnende Erfahrung. Wir haben Einblicke erhalten in die Welt der Mechanismen, mit denen die Suchmaschinen Webseiten prüfen und nach Relevanz, Glaubwürdigkeit etc. beurteilen. Denn vereinfacht gesagt:

Die Suchmaschinenoptimierung (SEO) beinhaltet alle Maßnahmen, die dazu dienen, Webseiten im Suchmaschinenranking in den unbezahlten Suchergebnissen eine höhere Platzierung zu sichern.

Google Ranking SEO-Texte
Quelle: Pixabay.com

Recht schnell wurde klar, dass es nicht alleine auf die Texte ankommt, damit Google und co. die Webseite mit einem hohen Ranking belohnen. Es gibt zahlreiche technische Voraussetzungen, die zunächst gegeben sein müssen. Doch wenn die stimmen, dann machen Aufbau und Gestaltung der Seitentexte den feinen, aber entscheidenden Unterschied.

Vom simplen Keywordstuffing hin zum komplexen Algorithmus

Suchmaschinen wie Google entwickeln sich ständig weiter und beurteilen Webseiten zunehmend differenziert und nach einem komplexen Kriterienkatalog. Heutzutage reicht es also längst nicht mehr aus, ein bestimmtes Keyword (SEO-Texte…hust) möglichst häufig im Text unterzubringen, damit man bei Google auf der ersten Ergebnisseite auftaucht. Dies kann im Gegenteil sogar schaden und wird abgestraft. Darüber hinaus bieten Texte dieser Art oft keinen wirklichen Mehrwert und sind alles andere als angenehm zu lesen.

Umso erfreulicher also, dass die Netzwerkstrategen einen guten Überblick über die zahlreichen Faktoren vermittelt haben, auf die es ankommen kann, und darüber hinaus viele gute Praxistipps parat hatten:

  • Wie man passende, aktuell gefragte Keywords findet, auswählt und angemessen einsetzt
  • Wie man Suchmaschinenbeschreibungen (SERPs) ansprechend und Google-konform formuliert
  • Wie man sinnvolle Verlinkungen setzt und die eigene Seite lokal und überregional vernetzt
  • Welche Faktoren ganz allgemein zum Thema Aufbau und Gestaltung eine wichtige Rolle spielen, um überzeugende und leserfreundliche SEO-Texte zu fabrizieren
  • Nicht zu vergessen: Die zunehmende Wichtigkeit der Beschaffenheit von Bildbeschreibungen sowie einer Optimierung der Texte für mobile Endgeräte
SEO-Text
Quelle: Pixabay.com

SEO-Texte versus kreatives und korrektes Schreiben?

In meinen Augen einer DER Knackpunkte beim Thema SEO-Texte ist die schwierige Frage, inwieweit man Kompromisse finden kann und eingehen muss. Authentische und einzigartige Texte sind wichtig, um sich von der Masse abzuheben. Das beginnt schon mit der Überschrift. Doch natürlich sollen auch die Nutzer die Seite und passende Informationen möglichst leicht finden. Das bedeutet: Bei allem Enthusiasmus für extravagante Wortspiele, raffinierte Neuschöpfungen und eine abwechslungsreiche Wortwahl darf man die nüchternen Keywords nicht aus den Augen verlieren. Eine Herausforderung!

Ähnlich verhält es sich beim Thema Korrektheit: Nicht alles, wonach der Nutzer googelt, steht so tatsächlich auch im Duden oder enthält Fachbezeichnungen. Ein kleines Beispiel aus der Praxis: „Korrektorat“ ist eine fachlich passende Beschreibung für meine Tätigkeit, doch gesucht wird mindestens 5x so häufig nach dem Stichwort „Korrekturlesen“. Weswegen ich dieses natürlich bevorzugt einsetze…

Fazit: SEO-Texte sind kein Hexenwerk – aber es stecken eine Menge Überlegungen dahinter

Insgesamt war es ein sehr anregender Tag mit vielen interessanten Menschen, praxisnahen Informationen aus erster Hand und, ja, leckerem Orangensaft.

Danke an die Netzstrategen, die City Initiative Karlsruhe und ganz besonders an Referentin Anna Gienger für den gelungenen Workshop!

Sprachökonomie auf Trierisch

Deutsche Sprache, schwere Sprache. Warum sollte es denn nicht ein bisschen einfacher gehen? Die Trierer jedenfalls haben das Wort »nehmen« komplett aus ihrem Wortschatz gestrichen und verwenden nur noch das universell einsetzbare »holen«. Eine Eigenart, die man sich nach ein paar Jahren vor Ort durchaus angewöhnen kann, wenn man nicht aufpasst wie ein Luchs…

Paar beim Einsteigen am Bahnhof: »Schatz, holst du den Koffer? «

Mann (verwirrt): »Wieso holen, er steht doch direkt neben dir??? «

Der Trierer »nimmt« niemals seine Medizin, er holt sie grundsätzlich. Nach einer Party holt man gerne jemanden im Auto mit und sogar die Pfunde werden abgeholt.

Auch bis in die Zwiebelfisch-Kolumnen von Bastian Sick (»Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod«) ist das Thema bereits vorgedrungen:

https://www.spiegel.de/kultur/zwiebelfisch/zwiebelfisch-wo-holen-seliger-denn-nehmen-ist-a-462908.html

Das Foto sollte den letzten hieb- und stichfesten Beweis liefern, dass Sie, liebe Leser, mir diese Geschichte auch wirklich abholen können…. 😉

Universität Trier 
Kaffee zum Mitholen
Bar „Übergang“, Universität Trier